Biologische Bekämpfung von Schädlingen

Dem Trend des biologischen Anbaus folgend möchten viele Hobbygärtner auf den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel verzichten. Einerseits bietet die Natur eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die miteinander und voneinander leben, andererseits möchte der Mensch von seinen Zierpflanzen sowie dem selbst gezüchteten Obst und Gemüse profitieren und gesunde Früchte ernten.

Für ein gesundes Pflanzenwachstum sind vielfältige Faktoren bedeutsam. Dazu zählen eine standortgerechte Sortenwahl und eine optimale Versorgung der Pflanzen. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist unabdingbar, wenn Schädlinge oder Krankheiten aufgrund verschiedener Faktoren das Wachstum hindern oder die Ernte vernichten.

Schwarze Bohnenlaus
Häufig vorkommende Blattlaus: Schwarze Bohnenlaus

Bereits vor vielen Jahrhunderten waren Klöster für einen biologischen Anbau bekannt. Noch heute zählen sie zu den Zentren des biologischen Anbaus von Kräutern, Obst und Gemüse, aber auch altbekannte Stauden und Ziergehölze werden hier kultiviert. Ebenso bekannt ist die Tatsache, dass vor allem die Nonnen immer wieder neue Wege zur biologischen Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten gingen und gehen. So experimentierten sie beispielsweise fortlaufend mit Pflanzenteilen und entwickelten daraus Jauchen, Brühen und Tees, die auf natürlicher Basis selbst hergestellt und angewendet wurden. Als alternative Möglichkeiten zur Anwendung synthetischer Pflanzenschutzmittel haben sich diese „Wunderelixiere“ bewährt, sodass die Industrie sich diese Erkenntnisse zunutze gemacht hat und die käuflich zu erwerbenden „Pflanzenhilfsmittel“ entstanden.

Die gewonnenen Erkenntnisse daraus sind kurz zusammenzufassen: Die spezielle Zusammensetzung vieler Kräuter und deren Inhaltsstoffe können sich positiv auf das Pflanzenwachstum sowie gegenüber Schadorganismen auswirken.

Pflanzliche Spritzmittel

Pflanzliche Spritzmittel unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Herstellung sowie hinsichtlich ihrer Anwendungsgebiete.
Unterschieden wird zwischen Jauche, Brühe, Tee und Kaltwasserauszug.

Jauche

Als Jauche bezeichnet man das Gemisch aus Regenwasser und frischen oder getrockneten Kräutern, das nach einem vierzehntägigen Gärungsprozess fertig vergoren und anwendungsbereit ist.

Spinnmilbe
Stark vergrößerte Ansicht einer Spinnmilbe.

Für eine Jauche werden klein geschnittene Pflanzenteile in einem metallfreien Gefäß mit Regenwasser angesetzt und abgedeckt und im Freien postiert. Zweimal täglich sollte das Gemisch umgerührt werden. Nach bereits ein oder zwei Tagen beginnt dann der Gärungsprozess (erkennbar durch Schaumbildung), der durch Sauerstoffzufuhr und Sonnenlicht beschleunigt wird. Wenn das Gemisch nicht mehr schäumt, kann von einer vergorenen Jauche gesprochen werden.

Eine Jauche wird zumeist verdünnt angewendet, da sie ansonsten aufgrund des hohen Nährstoffgehalts zu Verbrennungen an den Pflanzen führen kann. Es empfiehlt sich, die verdünnte Jauche an einem bedeckten Tag früh oder abends auf dem Boden um die Pflanzen auszubringen. Um Verstopfungen in der Gießkannenbrause zu vermeiden, sollte die Jauche vor dem Verdünnen mit Regenwasser durch ein Tuch oder Sieb gegeben werden.

Brühe

Eine Brühe ist nur begrenzt haltbar, da sie nach einigen Tagen beginnt zu gären und zu einer Jauche übergeht.
Für eine Brühe werden klein geschnittene frische oder getrocknete Kräuter verwendet, die 24 Stunden in kaltem Regenwasser eingeweicht und schließlich kurz aufgekocht werden. Nachdem die Brühe etwa eine halbe Stunde auf kleiner Flamme gekocht wurde, sollte sie mit einem Deckel versehen werden und abkühlen. Nach dem Abkühlen wird sie durchgesiebt und ist anwendungsbereit.

Tee

Für einen Tee werden klein geschnittene frische oder getrocknete Kräuter mit kochendem Wasser übergossen. Nach etwa einer Viertelstunde Ziehzeit können die Kräuter gesiebt werden. Nach der Abkühlung ist der Tee anwendungsbereit.
Manchmal ist es sinnvoll, einen Tee herzustellen, da bei manchen Kräutern durch eine zu lange Kochzeit wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen.

Kaltwasserauszug

Die Herstellung eines Kaltwasserauszugs ist insbesondere dann von Vorteil, wenn im Garten keine Kochmöglichkeit vorhanden ist. Dazu werden frische oder getrocknete Kräuter in Regenwasser eingeweicht und zwischen ein und drei Tagen stehen gelassen. Abgesiebt werden die Kräuter, bevor ein Gärungsprozess eintritt. Kaltwasserauszüge bieten sich an, wenn durch einen Kochvorgang nicht wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen sollen.

Anwendungsmöglichkeiten und Ausbringungsverhältnisse

Für alle pflanzlichen Spritzmittel wird Regenwasser benötigt. Als Faustregel gilt, dass auf zehn Liter Wasser entweder ein Kilogramm frische Pflanzen oder 100 bis 200 Gramm getrocknete Kräuter verwendet werden.

Eine vergorene Jauche sollte im Verhältnis 1:20 angewendet werden. Sie wird insbesondere zur Düngung sowie zur Schädlingsabwehr eingesetzt.

Eine Brühe wird im Verhältnis 1:10 oder 1:20 angewendet. Sie dient vornehmlich zur Vorbeugung von Krankheiten und Schädlingen sowie zur Blattdüngung.

Ein Tee wird unverdünnt angewendet und ist hilfreich zur Schädlingsabwehr und dient zudem der Bodenpflege. Die verwendeten Kräuter können kompostiert werden und gelten als wertvoller Kompostzusatz.

Der Kaltwasserauszug wird unverdünnt oder im Verhältnis 1:1 angewendet. Er dient gleichfalls der Bodenpflege und der Schädlingsabwehr. Die verendeten Kräuter können dem Kompost zugeführt werden und dienen als nährstoffreicher Zusatz.

Anwendungsbeispiele pflanzlicher Spritzmittel

Jauchen

Gegen beißende und saugende Insekten sowie gegen Ameisen empfiehlt sich die Anwendung einer Jauche aus Rinde und Blättern der Eiche.

Hilfreich bei einem Befall mit verschiedenen Schädlingen kann eine Jauche aus Rainfarn sein.

Gegen Blattläuse und Säulenrost empfiehlt sich eine Jauche aus Wermutblättern.

Ebenso hilfreich kann eine Jauche aus Ackerschachtelhalm hinsichtlich eines Befalls mit Blattläusen und Spinnmilben sein. Bei akuter Infektionsgefahr ist eine mehrmalige Behandlung in Abständen von drei Tagen empfehlenswert.

Eine Jauche aus Birke wird vorbeugend gegen einen Befall mit Schorf an Früchten und Blättern eingesetzt.

Brennnesseljauche gilt als pflanzenstärkend und wirkt zudem gegen Blattläuse und Milben.

Holunderjauche kann gegen Wühlmäuse angewendet werden und wird dafür in die Gänge gegossen.

Knoblauchjauche wirkt pflanzenstärkend und vorbeugend gegen Pilzerkrankungen. Zudem kann er auch anderen Jauchen zugesetzt werden.

Kräutermischungen aus Garten- und Wildkräutern ergeben eine Jauche, die unverdünnt angewendet wird und pflanzenstärkend wirkt. Als Kräuter eignen sich neben Ringelblumen, Thymian, Minze, Lavendel, Zwiebeln, Knoblauch, Kohl, Beifuß und Schnittlauch auch Wildkräuter wie Hirtentäschel, Rainfarn, Löwenzahn, Vogelmiere, Schafgarbe und Beinwell.

Kaltwasserauszug

Gegen Blattläuse, Schnecken, Blutläuse und Rost kann eine Brühe aus Farnkraut Abhilfe schaffen.

Vorbeugend gegen Braunfäule, Blattläuse und Lauchmotte kann eine Rhabarberbrühe eingesetzt werden.

Gegen Monilia, eine häufig auftretende Erkrankung an Kirschbäumen, ist eine Meerrettichbrühe zu empfehlen. Nach mehrmaliger Anwendung kann diese Krankheit erfolgreich bekämpft werden.

Gegen verschiedene Schädlinge empfiehlt sich auch eine Brühe aus Rainfarn.

Tees

Gegen Erdraupen sind Tees aus Thymian, Salbei oder Ysop empfehlenswert.

Schädlinge an Zimmerpflanzen lassen sich am besten mit einem Tee aus Basilikum vertreiben.

Gegen Pilzerkrankungen ist zu einem Zwiebeltee zu raten.

Zur Verbesserung der Fruchtqualität empfiehlt sich die frühzeitige Anwendung eines Tees aus Löwenzahn.

Gegen die Raupen des Kohlweißlings empfiehlt sich ein Tee aus Wermut.

Kaltwasserauszug

Die Anwendung eines Kaltwasserauszugs mit Schafgarbe ist vielversprechend hinsichtlich des Auftretens von Echtem Mehltau, der Monilia sowie der Kräuselkrankheit.

Gegen den Kohlweißling hilft ein Kaltwasserauszug, der aus Blättern und ausgebrochenen Trieben der Tomate hergestellt wird.

Ein Kaltwasserauszug aus Brennnesseln kann vorbeugend gegen Blattläuse angewendet werden.

 

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